La canzonetta di venditore 04.12.2015 - 19:30

Do 3. Dezember, 19,30 VILLACH/Pfarrheim St. Nikolai, Brauhausgasse
Fr 4. Dezember, 19,30 KLAGENFURT/Musilhaus
mit der Uraufführung von Dieter Kaufmanns
„Il venditore di canzonette“ mit Zitaten aus Giacomo
Puccinis Oper „Der Mantel“ 1910, aus der Fernsehwerbung
2015, aus Katharina Pratos „Die süddeutsche Küche“ 1890,
und aus Mozarts „Kleine Nachtmusik“.

Was haben diese Ingredienzien miteinander zu tun?
Der Marktschreier von gestern ist der TV-Werbespot von heute!
Der Marktplatz von heute ist virtuell. Die „Reichweite“ des Mediums
verspricht den Erfolg. Das gilt auch für die Kunst. Der Liederverkäufer von Puccini konnte sein „canzonetten“ noch persönlich zu Geld machen. Man erzählt, dass sogar Josef Matthias Hauer nach dem 2. Weltkrieg mit einemZwölftonspiel die Semmeln beim Bäcker bezahlen konnte.
Heute verdient der Handel an den Produkten der Kunst ähnlich gut wie in der Landwirtschaft.
Mozartkugeln erwecken Mozart nicht mehr zum Leben.
Spitzenpreise werden für die Gemälde einst verhungerter Künstler erzielt.
Die Welt steht Kopf. Wie die Kuh, die für ihre Milchproduktion vom
Bauer das Heu geliefert bekommt, beteiligt die Musikwirtschaft die Urheber ihrer Waren nur so weit, dass sie gerade nicht verhungern. Das große Geschäft machen die Konzerne. Manche sagen: Unser Vorbild müsste der Sport sein, wo beim „Ankauf“ eines Fußballers Millionen gezahlt werden. Aber wer bekommt das Geld? Der Vergleich mit den Stars der Musikszene hinkt: Singer sind besser bezahlt als Songwriter, Dirigenten besser als Komponisten. Der Aufschrei des
Marktes äußert sich in der Werbung. Auch das Qualitätskriterium kehrt sich um:
Wird das Produkt gut verkauft, war die Begleitmusik gut.
Das klingt alles nicht sehr lustig. Trotzdem versucht mein
4-Minutenstück, sich über diese Situation lustig zu machen.

“Mozartkugeln” nach Katharina Prato: „Die süddeutsche Küche“, 1890
10 Deka Zucker werden gesponnen,
dann 10 Deka gerieben Nüsse hineingegeben,
ein wenig aufkochen gelassen,
noch in warmem Zustande Kugeln aus der Masse geformt
und in geriebener Schokolade gewalzt.
Die fertigen Kugeln werden auf ein Brett gelegt
und in der Zimmerluft trocknen gelassen.

Dietmar Pickl schreibt:
CH[ORAL]
Musik vom Rufen, Essen und Träumen
03.12.2015 19.30, Villach, Pfarrheim St. Nikolai, Brauhausgasse 10
04.12.2015 19.30, Klagenfurt, Musil-Literaturmuseum, Bahnhofstr. 50
Ein etwas anderes Konzert in der Adventzeit, was die Inhalte betrifft. Geht es doch in dem Konzert mit dem programmatischen
Titel CH[ORAL] vornehmlich ums Essen. Sie haben richtig gelesen: ums Essen. Manchmal auch ums Trinken. Ausgehend von dem Chanson „Les cris de Paris“ von Clément Janequin (1485-1558) und dem Madrigal „The Cries of London“ von Orlando Gibbons (1583-1625), in dem Marktschreier ihre Produkte anbieten, haben wir Komponisten gebeten, ihre Assoziationen zu diesem Thema zum Klingen zu bringen. Dieter Kaufmann, Fritz Keil, Wolfgang Liebhart, Dietmar Pickl, Bruno Pisek und Tomaž Svete haben geliefert. Eine sehr unterschied-liche Mischung von Kompositionen ist entstanden, manche in Beglei-tung von Tenorsaxophon und Bassklarinette: von Rezepten wird gesungen, Werbeeinschaltungen des Fernsehens liefern Textvorlagen, Lammfleisch konkurriert mit veganer Küche und Mozartkugeln, die Münchner Bierkultur darf nicht fehlen, Ruhe kehrt ein bei einem Ausschnitt aus Shakespeares „The Tempest“ und so weiter …… und so fort. Mehr soll nicht verraten werden. Gelesene und erlesene Rezepturen von Jani Oswald, dem polyglotten Sprachakrobaten, ver-vollständigen das vielgängige musikalische Menu. Ich lade zu Tisch!

HORTUS MUSICUS
Christa Mäurer Sopran
Waltraud Russegger Mezzosopran
Michael Nowak Tenor
Günter Mattitsch Bariton/Leitung
Dietmar Pickl Bass/Lesung
Gilbert Sabitzer Saxophon, Bassklarinette